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| Designer Sebastian Schmidt Foto: Rauhutphotography
Vielleicht liegt es an seinem Beruf, dass Sebastian auf die Idee kam, Jutebeutel zu verschönern. Er ist Deutschlehrer, und haben nicht immer die Deutschlehrer früher die Hefte und Butterbrotdosen in fragwürdigen Stoffbeuteln transportiert? Aus einer Laune heraus kreierte er seine eigenen Beutel, denn wenn man schon etwas um die Schulter hängen hat, dann soll das wenigstens auch cool aussehen.
Er plauderte mit uns über sein Label und wie sich Instagram auf seine Marke auswirkt.
Hallo Sebastian! Stell dich doch bitte kurz vor und was machst du?
Ich bin Sebastian, 30 Jahre alt und komme aus Köln. Ich führe seit mehr als fünf Jahren das Streetwear-Label JUTE BEUTEL, betreibe das Blog www.sebastiansview.com und bin als Lehrer tätig.
Was war das Wichtigste, was du in deinen verschiedenen Berufsbereichen gelernt hast? Viele Stationen: Journalismus (Axel Springer), dann zur PR und nun Designer und Blogger. Alle Stationen und die damit verbundenen Erfahrungen zusammen waren ganz wichtig, weil jede Station auf der vorherigen beruht. Ohne mein Germanistik-Studium (Lehramt), hätte ich mich nicht im Journalismus-Bereich ausprobiert. Dort habe ich u.a. auch mit PR-Agenturen zusammengearbeitet, wollte also anschließend auch diese Seite der Kommunikation kennenlernen. Der nächste Schritt, das eigene Label und das Bloggen, resultieren maßgeblich aus diesen Erfahrungen.
Du bist Deutschlehrer, wie kamst du überhaupt zur Mode?
Mode hat mich seit Kindesalter interessiert und fasziniert. Schon immer habe ich mich gerne über Mode ausgedrückt. Mode ist mein Hobby und eine Leidenschaft. Mode als Beruf hat sich aber eher zufällig ergeben. Als ich 2009 in der PR gearbeitet habe, habe ich überwiegend Kunden aus dem Modesektor betreut. Anschließend folgte mein eigenes Label- was auch mehr glückliche Fügung als die Verwirklichung eines durchdachten Businessplans war. Parallel absolvierte ich 2010 mein Referendariat und fahre beruflich nun erfolgreich zweigleisig.
Alles hat mit einem bedruckten Jutebeutel begonnen- Wie hat sich dein Label in den letzten Jahren entwickelt?
2010 noch vor dem großen „Jutebeutel Hype“ haben wir angefangen Jutebeutel – anfangs mehr für uns als für die breite Masse – zu produzieren. Nach und nach haben wir unsere Produktpalette erweitert. Wir bedrucken Shirts und Pullover, besticken Beanies und Caps, bieten iPhone Cases an und haben seit 2014 eine eigene Interior-Kollektion mit vielen Artprints.
"Der ökologische Aspekt- ,,Jute statt Plastik"- ist entscheidend für unsere Arbeit."
Worauf legst du bei deinen Kollektionen besonders Wert? Ich versuche mich an dem aktuellen Zeitgeist zu orientieren und Trends aufzunehmen. Gleichzeitig möchte ich aber, dass die Handschrift des Labels zu erkennen ist. Außerdem wollen wir Mode machen, die für jedermann erschwinglich ist. Da wir nicht fremd- sondern selbst produzieren, können wir unsere Produkte zu einem guten Preis anbieten.
Wo verkaufst du deine Produkte?
Wir verkaufen unsere Produkte überwiegend in unserem eigenen Onlinestore auf www.juteBeutel.net . Aber auch ausgewählte Stores in Köln, Hamburg, Berlin bieten eine Auswahl unserer Produkte an.
Wie sehen die typischen Kunden deiner Jutebeutel und deiner Shirts aus?
Unsere Zielgruppe ist breit gefächert. Schüler, Studenten, Streetstyle-Liebhaber jeden Alters. Unsere Zielgruppe ist trendorientiert, nimmt Mode nicht zu ernst, hat Spaß an ihr und bringt das durch unsere Statement-Prints eben zum Ausdruck.
Wie sieht dein typischer Arbeitstag aus, was sind deine Hauptaufgaben und was gibst du ab?
Ich kümmere mich um die Buchhaltung und das Marketing für JUTE BEUTEL. Zwei weitere Mitarbeiter kümmern sich um die Produktion und die logistische Abwicklung und ein Kommunikationsdesigner um die Pflege der Internetseite. Ich kümmere mich täglich um neue Fotos und Content für meinen Blog www.sebastiansview.com und meinen IG-Account @______sebastian. Außerdem treffe ich mich mit Kunden und Kooperationspartnern.
"Instagram, hier kann ich auch Kunden erreichen die noch nicht zum Stammkundenkreis gehören."
Wirkt sich Instagram positiv auf deine Marke aus?
Ja, natürlich. Instagram ist DAS Kommunikationsmedium der Zeit. Ich nutze Instgram fleißig. Wir haben einen JUTE BEUTEL Account (jute_beutel), auf dem wir neue Produkte zeigen, Gewinnspiele anteasern aber auch natürlich die Looks unserer Kunden im JB-Produkt reposten. Auf meinem privaten IG-Account (@______sebastian) stelle ich auch in regelmäßigen Abständen Dinge von JB vor, weil ich mich natürlich auch privat mit den Produkten kleide oder die Artprints meine Wohnung– Interior ist ein großes Thema auf meinem Account – schmücken. Dadurch habe ich die Möglichkeit auch Leute auf die Marke aufmerksam zu machen, die noch nicht zum Stammkundenkreis, der natürlich hauptsächlich dem JB-Account folgt, gehören.
Was steht in nächster Zeit bei dir an?
Wir haben ganz aktuell unsere neue Kollektion gelauncht. Ein bunter Mix von allem: Statement-Shirts, Gymbags, neue Handycases mit Marmorprint und viele viele neue Kalender für 2016- die sind jedes Jahr der Knaller und das perfekte Weihnachtsgeschenk.
Vielen Dank für das Gespräch, Sebastian!
VON RICARDA DATZ
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| Der hübsche Store in der Münchner Rumfordstraße fällt schon von außen auf Foto: Jana Ackermann |
Die große Leidenschaft für Magazine und Designbücher entwickelte sich bei Sebastian Steinacker spätestens während seines Studiums in London. Am renommierten Central Saint Martins College studierte der Münchner vier Jahre lang Modedesign und Marketing.
Zurück in München und immer noch inspiriert von London entstand dann mit seiner damaligen Freundin ein Herzensprojekt: Soda Books, der eigene Laden voller Lieblingsmagazine, Designbücher und Bildbände. Dieses Konzept hat offenbar nicht nur Sebastian gefehlt: Seit 2004 ist Soda Books der Laden, in dem sich die Mode- und Kreativszene auf Entdeckungsreise nach Inspiration begibt. Vor kurzem eröffnete Sebastian sogar einen zweiten Soda Books in Berlin-Mitte.
Du umgibst dich seit Jahren mit tollen Zeitschriften und Büchern in deinem Laden. Bist du auch privat Magazin-Sammler?
Oh ja, vor allem früher habe ich jahrelang gesammelt. Zuhause bei mir stapeln sich neben dem Bett und Sofa Magazin-Türme, die ich alle mal durcharbeiten möchte. Mittlerweile nehme ich aber nicht mehr so viel mit nach Hause - ich habe ja tagsüber hunderte davon um mich.
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| Sebastian Steinacker, Gründer von Soda Books Foto: Jana Ackermann |
Im Soda verkaufe ich mehr, als ich anschauen kann. Deshalb komme ich leider nicht oft dazu, wirklich intensiv zu lesen. Dafür kenne ich aber die Identität der ganzen Magazine und weiß bei jeder Zeitschrift ungefähr, was drin steht.
"Topseller in der Mode sind Purple Fashion und self service."
Welche Magazine empfiehlst du Modebegeisterten?
Vom Design her begeistern mich vor allem Architektur- und Interior-Magazine, die ich auch Modebegeisterten ans Herz lege. Dann kommt es natürlich auch auf den persönlichen Geschmack und Stil an. Topseller in der Mode sind Purple Fashion und self service, zwei sehr einflussreiche und richtungsweisende Magazine aus Frankreich.
Wer sind deine Kunden?
Die meisten meiner Kunden sind aus der Mode- und Kreativbranche. Oft sind sie gezielt auf der Suche nach Publikationen, die etwas mit dem Job zu tun haben. Ich kenne durch den Laden viele Redakteure und Stylisten, die sich hier inspirieren lassen.
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| Sebastian mag die Assoziationen zum Wort Soda Foto: Jana Ackermann |
Da verlasse ich mich total auf mein Bauchgefühl. Ich verkaufe nur das, was mir selbst gefällt. Oft machen mich Kunden auf Magazine aufmerksam, die sie im Ausland entdeckt haben und die sie begeistert haben. Dann recherchiere ich selbst und wäge mit meinen Mitarbeitern ab, ob wir es dazu nehmen.
Was passiert mit Heften, die am Ende des Monats übrig bleiben?
Jährlich im Herbst veranstalte ich einen großen Lagerverkauf, bei dem sich der Preis nach dem Gewicht des Einkaufs richtet. Der Andrang ist immer so groß, dass es sich lohnt, direkt morgens am ersten Tag zu kommen. Beim diesjährigen Sale wurden wirklich restlos alle Magazine verkauft.
"Die Kunden kommen rein und sind sofort gefesselt."
Schon von Weitem fällt einem Soda Books in der Münchner Rumfordstraße durch die großen Schaufenster und das moderne, freundliche Innere auf. Inwieweit hast du das Store-Design mitbestimmt?
Meine damalige Geschäftspartnerin und ich hatten eine Kooperation mit einem befreundeten Schreiner. Gemeinsam mit ihm entstand das Konzept, dass sich der Laden selbst total zurücknimmt. Die Regale und Wände sind alle weiß. Schließlich stehen hier hunderte kleiner Kunstwerke mit auffälligen Covern. Mir fällt immer wieder auf, dass die Kunden reinkommen und sofort gefesselt sind.
In welchem Magazin würdest du gern mal über dich selbst lesen?
Diesen Monat bin ich tatsächlich schon zum zweiten Mal in der Monocle zu sehen. Ansonsten wäre es mir eine Ehre, im Smith Journal gefeatured zu werden - das ist aktuell eines meiner Lieblingsmagazine.
Schon von Weitem fällt einem Soda Books in der Münchner Rumfordstraße durch die großen Schaufenster und das moderne, freundliche Innere auf. Inwieweit hast du das Store-Design mitbestimmt?
Meine damalige Geschäftspartnerin und ich hatten eine Kooperation mit einem befreundeten Schreiner. Gemeinsam mit ihm entstand das Konzept, dass sich der Laden selbst total zurücknimmt. Die Regale und Wände sind alle weiß. Schließlich stehen hier hunderte kleiner Kunstwerke mit auffälligen Covern. Mir fällt immer wieder auf, dass die Kunden reinkommen und sofort gefesselt sind.
In welchem Magazin würdest du gern mal über dich selbst lesen?
Diesen Monat bin ich tatsächlich schon zum zweiten Mal in der Monocle zu sehen. Ansonsten wäre es mir eine Ehre, im Smith Journal gefeatured zu werden - das ist aktuell eines meiner Lieblingsmagazine.
Vielen Dank für das Gespräch, Sebastian.
VON JANA ACKERMANN
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| Laura Bohnenberger, Gründerin und Besitzerin des Bean Stores in München Foto: Daniel Sommer |
Modejournalismus, Kunstgeschichte und eine eigene Boutique: Klingt für manche unvereinbar, für Laura Bohnenberger liegt das alles jedoch ganz nahe zusammen.
In ihrem Laden, dem Bean Store in München plaudert sie mit uns über die Entstehungsgeschichte ihres Conceptstores, über den bewussten Umgang mit Konsum und vor allem über ihr Herzensthema, der Verbindung zwischen Mode und Kunst. Denn für Laura steht fest: die Meinung, dass Mode keine Kunst sei, ist längst überholt!
TIF: Du hast zuerst Modejournalismus studiert, dann Kunstgeschichte. Wie passt das zusammen?
Schon während meiner Modejournalismus Ausbildung habe ich Modetheorien kennengelernt, die mich sehr fasziniert haben. Modetheoretiker haben ja selbst selten das Fach an sich studiert, sondern sind meistens Soziologen, Psychologen oder auch Literaten. Da habe ich für mich bereits erkannt, dass Mode und Kunst untrennbar sind und ich wollte mehr in die Tiefe gehen. Am Anfang war das Kunstgeschichte-Studium nur als ein Zusatz zu meiner vorherigen Ausbildung gedacht. Je mehr ich mich aber damit beschäftigt habe, desto mehr fand ich, dass genau diese zwei Bereiche zusammen gehören und es sogar einen eigenen Bereich zwischen Kunst und Mode gibt. Darüber habe ich dann auch meine Magisterarbeit geschrieben, die ich „Kunststoff“ genannt habe. Die Idee dahinter war, das Künstlerische auf der einen Seite mit dem Materiellen, Stofflichen auf der anderen zusammen zu bringen. Es war unheimlich spannend, Beides zu kombinieren.
TIF: Bist du mit einem Modethema bei deinen Kunstgeschichtedozenten auf Unverständnis gestoßen?
Gott sei Dank nicht. Ich hatte aber auch das Glück, zwei ganz tolle Dozenten zu haben. Die haben mir zugehört und versucht, meine Ansichten zu verstehen, obwohl sie sich zuvor noch nie mit der Mode beschäftigt hatten. Ich habe aber auch wirklich jemanden gebraucht, der mich bei meiner Arbeit „Kunststoff“ begleitet, denn das Thema ist komplex. Je mehr Beispiele ich ihnen zeigen konnte, desto mehr haben meine Dozenten das Thema begriffen und fanden es selbst spannend. Mode und Kunst vermischen sich immer mehr und das kann man häufig beobachten.
„Ich finde es lustig, dass es noch die alteingesessene Meinung gibt, Mode wäre keine Kunst.“
TIF: Kannst du da ein Beispiel nennen?
Designer bekommen immer mehr eigene Ausstellungen in Museen. Martin Margiela war einmal im Haus der Kunst, momentan ist Jean Paul Gaultier in der Kunsthalle. Deswegen finde ich es lustig, dass es noch die alteingesessene Meinung gibt, Mode wäre keine Kunst. Kunstgeschichte geht ja auch weiter und es ist eben so, dass Mode und Kunst gerade miteinander verschmelzen. Das sieht man nicht nur daran, dass es Kooperationen zwischen Künstlern und Modehäusern gibt, wie bei Louis Vuitton mit der japanischen Künstlerin Yayoi Kusama 2012. Man sieht das auch daran, wenn Modemacher etwas Ähnliches wie Kunst schaffen, zum Beispiel Alexander McQueen mit seiner Show „Robots“ im Jahr 1998. Das sind doch alles Beispiele dafür, dass Kunst und Mode zusammengehen.
TIF: Kunst wird in Deutschland geschätzt, Mode unterschätzt. Woran liegt das?
Kunstgeschichte wird an Universitäten gelehrt, das ist wahrscheinlich der einfachste Grund. In anderen Ländern, wie zum Beispiel Amerika oder England kann man auch Cultural Studies oder Fashion mit anerkanntem Abschluss studieren. In Deutschland gibt es diese Studiengänge nicht, das heißt die akademische Ausbildung in der Mode ist nicht so anerkannt. Sich wissenschaftlich mit der Mode auseinanderzusetzen, wird in Deutschland schnell abgewertet. Das habe ich auch gemerkt, nachdem ich meinen Abschluss an der AMD hatte. Da kamen viele Nachfragen, was das genau ist und welchen akademischen Abschluss ich denn hätte. In dem Moment aber, in dem man einen Uniabschluss mit einem Titel hat, ist es auf einmal etwas Anerkanntes. Ein weiterer Grund ist, dass Mode in Deutschland als etwas sehr Oberflächliches und Schnelllebiges angesehen wird. Der elitäre Gedanke, dass Gebildete Menschen sich nicht modisch anziehen, ist noch immer sehr verwurzelt .Ich habe oft das Gefühl, dass ein Professor Dr. Dr. mit Mode nichts am Hut haben will. Das ist eine Logik, die für mich sehr deutsch ist. Schaut man zum Beispiel nach Italien, sind ja eigentlich gerade die Männer in den besten Positionen diejenigen, die sich auch am besten anziehen.
"Ich habe das Gefühl, dass Kunst und Mode sehr schnell konsumiert werden."
TIF: Wie kannst du Kunst und Mode heute vereinen?
Sehr gut, das ist ja gerade das Schöne an meinem Beruf! Ich habe mit meiner Boutique ja auch einen Raum zur Verfügung. Wir hatten schon Ausstellungen hier und werden auch bald wieder eine haben. Zusammen mit einem Fotografen, der ein guter Freund von mir ist, werden wir eine Fotostrecke mit dem Titel „Men are waiting“ ausstellen, also über Männer die auf ihre shoppenden Frauen warten. Ein super lustiges Thema finde ich und welcher Ausstellungsort wäre dafür besser geeignet als ein Modeladen? Wenn sich was ergibt, zeige ich hier also gerne Kunst. Eine ganz tolle Kooperation war für mich zum Beispiel mit der Künstlerin Lydia Beck. Die hat letzten Dezember mein Schaufenster gestaltet, indem sie es komplett mit einem Perlenvorhang verhangen hat. Meine Ausstellungsfläche war also fast nicht mehr zu sehen. Das fand ich total spannend. Auch das wir eigen von uns gestaltete Produkte in unserem Sortiment haben und die Art wie wir sie ausstellen, ist ja irgendwo fast Kunst.
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| Der Bean Store in der Theresienstraße in München Foto: Vanessa Peschla |
Verändern ist ein großes Wort. Es würde mich freuen, wenn man den Blick auf die Mode insofern verändern würde, dass man vor allem das Konsumieren anders lebt. Für mich wäre es generell schön, wenn es ein paar Menschen geben würde, die mir zuhören und verstehen würden, dass man auch die Mode hinterfragen muss. Ich habe schon das Gefühl, das sowohl Kunst als auch Mode sehr schnell konsumiert werden und auch sehr oberflächlich betrachtet werden. Und dabei ist es doch wichtig, dass man sich Gedanken darüber macht, wo und unter welchen Umständen Kleidung heutzutage produziert wird. Der bewusste Umgang mit Konsum ist ein wichtiges Thema für mich. Nur Trends auf schnellen und günstigen Weg nachzujagen wollen wir in meinem Laden zum Beispiel gar nicht. Den einen oder anderen Trend machen wir natürlich mit, aber eigentlich suche ich schon immer nach Lieblingsstücken.
TIF: Hast du eine spezielle Kundin vor Augen, für die du diese Lieblingsstücke auswählst?
Ja, die habe ich vor Augen. Allerdings nicht so, dass sie einen bestimmten Beruf oder Aussehen haben müsste. Es geht mir mehr um eine Frau, die schöne Dinge wertzuschätzen weiß und besondere Stücke sucht. Sie möchte nicht nur schnell Billiges konsumieren, sondern ist zeitlos und hat Freude an dem Gekauften. Wie alt sie ist, ist auch völlig egal. Von 12 bis 72 ist jedes Alter vertreten und das soll auch unbedingt so sein. Meine älteste Kundin ist zum Beispiel eine Galeristin von Gegenüber, die hier regelmäßig einkauft. Ich liebe und berate sie immer besonders gerne! Wichtig ist mir auch, dass ich auf keinen Fall nach mir selbst suche, wenn ich das Sortiment auswähle. Ich habe nur wenige Klamotten aus meinem Laden. Für mich selbst kaufe ich ja auch nicht ein, sondern für Andere.
„Entweder du machst das jetzt oder du lässt es.“
TIF: Warum hast du dich entschlossen eine Boutique zu eröffnen?
Ich war ganz lange auf der Berlinale als Tourguide und wollte eigentlich auch in die Kuration gehen. Nebenbei habe ich aber auch bei Harvest, einem reinen Männermultibrandstore mit hochwertiger Mode in München gearbeitet. Ein damaliger guter Freund von mir, Philip Stolte war der Geschäftsführer dort. Für seinen Mut, sich selbstständig zu machen, habe ich ihn total bewundert. Irgendwann habe ich mir dann die Frage gestellt, warum es nicht genau so einen Laden für Frauen gibt. Zufällig stand mir zu dieser Zeit unsere spätere Storelocation zur Verfügung und da wusste ich: Entweder du machst das jetzt oder du lässt es und gehst in eine andere Richtung. Und dann war ich einfach mutig. Noch während ich meine letzten Prüfungen an der Uni geschrieben habe, bin ich schon auf die Baustelle gegangen. Zusammen mit Philip Stolte habe ich 2013 dann das „Sprout“ als Pendant zum Harvest für Frauen eröffnet.
TIF: Von deinem Geschäftspartner hast du dich dann getrennt, aus dem Sprout wurde der Bean Store.
Wir wollten in unterschiedliche Richtungen und da war es dann besser getrennte Wege zu gehen. Er war einfach viel mehr onlineaffin als ich und wollte diesen Bereich gerne ausprobieren. Das war für mich allerdings überhaupt keine Option. Mir geht es wirklich um die Beratung und ich möchte mich voll und ganz auf den Store konzentrieren. Sehr häufig bin ich ja auch selbst im Laden anzutreffen, denn ich will einen direkten Kontakt zu den Kunden haben. Ich möchte beraten und gebe doch auch so gerne zu Allem meinen Senf ab! Im Laden habe den ich direkten Kontakt zu meinen Kunden und höre immer zu, was gerade gefragt ist. Hier kann ich auch wunderbar selbst kreativ tätig werden: Als viele meiner Freundinnen schwanger wurden und ich auf der Suche nach passenden Geschenken war, ist die Idee zu unseren Strickrasseln entstanden. Die stricken wir selbst, zum Beispiel in Ananas-, Bananen-, sogar in Kelly Bag-Form und sie sind sehr gefragt! Ich liebe meinen Beruf und die Möglichkeiten mich darin auszuleben. Heute rede ich wohl genauso begeistert von Klamotten, wie ich es auf der Berlinale über Kunstwerke getan habe. Ich empfinde eben für die Kunst und die Mode gleichermaßen eine unglaubliche Leidenschaft.
Vielen Dank für das Gespräch, Laura !
VON LISA KANSCHAT
Es sind die vermeintlich kleinen Dinge, die mir von meinem Praktikum bei der British Vogue in Erinnerung geblieben sind. Von typischen "Modevokabeln" und der E-Mail-Etikette in England, bis hin zur Suche nach dem besten Schuster der Stadt. All das will gelernt sein, wenn man ein "work experience" in England macht. Denn im Gegensatz zu deutschen Praktika-Gewohnheiten, kann man in Großbritannien auch durchaus nur für ein, zwei oder drei Wochen als Praktikantin mitarbeiten. Aber auch diese kurze Zeit will bestmöglich genutzt und vorbereitet sein. Mit diesen Tipps klappt es bestimmt. Den britischen Humor habe ich übrigens auch als "Souvenir" aus der Zeit bei der Vogue mitgebracht und gleich in den Ratschlägen verarbeitet.
1. Vergiss Dein Schulenglisch. Es ist schön, wenn man der Vogue-Chefredakteurin sein Abi-Wissen zum Klimawandel erzählen kann, aber leider nützt das nichts, da Worte wie „Locher“, „kariert“ oder „Büroklammer“ die Vokabelliste eindeutig anführen.
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| Das Tor zum Erfolg?! Der Eingang der Vogue Bild: privat |
1. Vergiss Dein Schulenglisch. Es ist schön, wenn man der Vogue-Chefredakteurin sein Abi-Wissen zum Klimawandel erzählen kann, aber leider nützt das nichts, da Worte wie „Locher“, „kariert“ oder „Büroklammer“ die Vokabelliste eindeutig anführen.
2. Trinke Tee, auch wenn Du Kaffeejunkie bist. Wir sind hier schließlich in England, noch dazu in London. Teetrinken ist ein Muss! Und zwar nahezu ausschließlich Schwarztee mit Milch.
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| Gummiboden statt Glamour-Flur. Immerhin die Klamotten an den Kleiderständern versprechen Luxus. Bild: Giulia Wilzewski |
3. Schreibe als E-Mail-Betreff „urgent“. Alles ist extrem wichtig und muss schnell bearbeitet werden, selbst wenn es erst in drei Monaten ist. Bitte auch in ca. fünf Minuten-Abständen daran erinnern, dass es wirklich „urgent“ ist. Nur zur Sicherheit.
4. Lächle. Immer. Das fällt auf, denn sonst tut es fast niemand. Die Redaktion wird sich garantiert an Deine „sunny personality“ erinnern.
5. Stell Dich gut mit den Jungs vom Logistik-Zentrum. Denn da rennst Du am Tag gefühlte tausend Mal hin. Und sie sind verantwortlich, dass das „urgent“-Päckchen auch rechtzeitig bei Chanel ankommt.
6. Melde Dich am Telefon nicht mit Deinem Namen. Sondern mit „Hello, Vogue“. Das ist in echt genauso komisch, wie es klingt. Aber macht die ganze Redaktion, also auch Du.
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| Spot on: Beim Shooting geht es zur Sache Bild: Giulia Wilzewski |
7. Trage keine hohen Schuhe! Ein absoluter Anfängerfehler. Nur weil Du bei der Vogue bist, heißt das nicht, dass High Heels Standard sind. Im Gegenteil, Du wirst so viel laufen, wie noch nie zuvor.
8. Stelle keine Fragen. Wenn Dir eine Redakteurin ihre persönlichen Louboutins zum Reparieren bringt und Du dafür durch ganz London zum nächsten Schuster fahren musst, dann erledige das so schnell wie möglich. Dass fünf andere Redakteurinnen ebenfalls „urgent“ Dinge für Dich zu tun haben, solltest Du bitte nicht erwähnen.
9. Beende jede E-Mail mit „xx“. Du hast ja alle so gerne, auch die Kurzzeitpraktikantin der PR-Agentur, die leider verpasst hat, Dir das Kleid für das Shooting mit Kate Moss zu schicken. Wünsche ihr also am besten zusätzlich zu den Küsschen auch noch ein „Happy Weekend“.
Und zwar an einem Donnerstag-Morgen um 7.30 Uhr. Kleiner Tipp: "WH Smith" in der U-Bahn-Station Victoria. Dank dieses Anklebe-Bands konnten die schönen Nicholas Kirkwood-Schuhe beim Shooting doch noch zum Einsatz kommen. Was man mit einem echten Schnäppchen für 2,99 Pfund alles bewirken kann!
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| Sollte man jemals in den Genuss einer Pause kommen, ist das der Ausblick auf das Vogue House (links). Bild: Giulia Wilzewski |
VON GIULIA WILZEWSKI
Mit einer Menge Passion und Feingefühl gründete Beatrice Handte 2007 die PR-Agentur we love pr in München. Die Schwabinger Agentur präsentiert auf vier Etagen internationale Mode-, Beauty- und Lifestylemarken. Beas Arbeitsalltag ist vielseitig, und genau das liebt die Geschäftsführerin. PR hat sich in den letzten Jahren vollkommen etabliert. Journalisten werden mit News versorgt, die sozialen Medien wollen bedient werden - die Marken wünschen sich ein Rundum-sorglos-Paket.
Nach dem Abi hast du Sportwissenschaften in Frankfurt am Main studiert. Was waren deine beruflichen Stationen bis zur Gründung von we love pr?
Ich habe bereits während meiner Studienzeit viel gearbeitet, um mein Studium zu finanzieren. Unter anderem habe ich bei TUI beim Robinson Club als Sportausbilderin gearbeitet. Dann war ich zwei Jahre lang im Marketing bei Puma. Mein erster fester Job war dann bei Red Bull - dort war ich fünf Jahre lang regionale Marketingmanagerin.
Wie kamst du danach zur Mode?
Mir gefällt besonders an der Mode-PR, dass sie so vielfältig ist und so viele verschiedene Projekte bereithält. Ich habe eine Passion für schöne Dinge, sei es Mode, Beauty oder skandinavische Living-Produkte. Von daher fällt es mir leichter, für diese Marken zu arbeiten als für ein Energy-Drink. Bevor ich we love pr 2007 gegründet habe, habe ich kurz bei einer anderen PR-Agentur gearbeitet um mich in Strukturen und Abläufe einzuarbeiten.
Was ist für dich gute Mode-PR?
Gute PR hat viel mit Identifikation und Begeisterung zu tun. Die Augen eines PR-Beraters müssen leuchten, wenn er von seinen Kunden spricht. Deshalb heißt die Agentur auch we love pr. Der Schlüssel zum Erfolg in der PR-Branche ist definitiv die Passion für den Beruf. Fleiß und Ehrlichkeit gehören natürlich auch dazu. Und das spüren die Kunden - bei uns besonders. Ich arbeite mit Marken zusammen, mit denen ich mich voll identifizieren kann.
Wie trittst du an neue Kunden heran und überzeugst sie davon, mit Dir zusammenzuarbeiten?
Es gibt viele unterschiedliche Wege wie Kunde und Agentur zueinander finden. Auf Messen und Online suche ich nach neuen Partnern. Wenn mir eine Marke gefällt, spreche ich sie einfach an.
we love pr betreut viele skandinavische Labels. Wie kam es dazu?
Ich halte immer Ausschau nach Marken, die in anderen Ländern bereits bekannt sind, aber in Deutschland noch nicht etabliert sind. Ich liebe den skandinavischen Lifestyle - die Mode, das Interior, das Essen und die Einstellung der Skandinavier. So brachte ich Labels wie Baum und Pferdgarten oder Beck Söndergaard nach Deutschland. Wahrscheinlich war ich in meinem früheren Leben Dänin. Deshalb habe ich mich schon sehr früh in die skandinavischen Länder bewegt.
Welche Leistungen erwarten Kunden von ihrer PR-Agentur?
Die Kommunikation verändert sich ständig und jede Marke sucht eine individuelle Betreuung. Grundsätzlich erwarten Modemarken Public Relation in der Fachpresse und der Endverbraucherpresse. Hier unterscheiden wir zwischen Produkt-PR und platzieren die Labels in Fotoproduktionen und Legeseiten. Zusätzlich organisieren wir Events für Journalisten, Influencer und Blogger. Die Marken möchten ihre Kleidung gerne an Bloggern - und dann auf sozialen Netzwerken wie Instagram - sehen.
„Mode-PR“ ist ein absoluter Trendberuf – wie schaffen junge Menschen den Einstieg?
BH: Um in der PR Fuß zu fassen muss ein Einsteiger vor allem gut strukturiert und immer up-to-date sein, denn es ist eine Herausforderung viele verschiedene Projekte mehrerer Marken zu betreuen. Diese Arbeitsweise lernen viele im Studium. Und dann ist es eigentlich auch egal, welches Studium oder Ausbildung das ist. Ich achte bei Bewerbern vor allem auf ihre Social Skills. Wie sie sich im Team verhalten und ob es menschlich passt.
Als Gründerin bist du das Aushängeschild der Agentur. Abgesehen von den Kunden, die du vertrittst: Wer sind deine Lieblingsdesigner?
Meine absolute Lieblingsmarke ist Baum und Pferdgarten, die ich seit vielen Jahren verehre. Außerdem mag ich Stine Goya, No.21 und Philipp Lim.
Welche Projekte stehen in nächster Zeit bei dir an?
Ich bin ein sehr ehrgeiziger Mensch und habe schon kleinere Etappenziele erreicht, auf die ich sehr stolz bin. Mein nächstes Projekt: we love pr soll weiter wachsen. Im Jahr 2016 möchte ich gern ein zweites Büro in Hamburg eröffnen. Ansonsten wünsche ich mir, dass die Agentur inhaltlich weiterhin ganz vorne mit dabei ist und wir noch lange mit unseren Kunden zusammenarbeiten.
Vielen Dank für das Gespräch, Bea.
Wie kamst du danach zur Mode?
Mir gefällt besonders an der Mode-PR, dass sie so vielfältig ist und so viele verschiedene Projekte bereithält. Ich habe eine Passion für schöne Dinge, sei es Mode, Beauty oder skandinavische Living-Produkte. Von daher fällt es mir leichter, für diese Marken zu arbeiten als für ein Energy-Drink. Bevor ich we love pr 2007 gegründet habe, habe ich kurz bei einer anderen PR-Agentur gearbeitet um mich in Strukturen und Abläufe einzuarbeiten.
Was ist für dich gute Mode-PR?
Gute PR hat viel mit Identifikation und Begeisterung zu tun. Die Augen eines PR-Beraters müssen leuchten, wenn er von seinen Kunden spricht. Deshalb heißt die Agentur auch we love pr. Der Schlüssel zum Erfolg in der PR-Branche ist definitiv die Passion für den Beruf. Fleiß und Ehrlichkeit gehören natürlich auch dazu. Und das spüren die Kunden - bei uns besonders. Ich arbeite mit Marken zusammen, mit denen ich mich voll identifizieren kann.
Wie trittst du an neue Kunden heran und überzeugst sie davon, mit Dir zusammenzuarbeiten?
Es gibt viele unterschiedliche Wege wie Kunde und Agentur zueinander finden. Auf Messen und Online suche ich nach neuen Partnern. Wenn mir eine Marke gefällt, spreche ich sie einfach an.
we love pr betreut viele skandinavische Labels. Wie kam es dazu?
Ich halte immer Ausschau nach Marken, die in anderen Ländern bereits bekannt sind, aber in Deutschland noch nicht etabliert sind. Ich liebe den skandinavischen Lifestyle - die Mode, das Interior, das Essen und die Einstellung der Skandinavier. So brachte ich Labels wie Baum und Pferdgarten oder Beck Söndergaard nach Deutschland. Wahrscheinlich war ich in meinem früheren Leben Dänin. Deshalb habe ich mich schon sehr früh in die skandinavischen Länder bewegt.
Welche Leistungen erwarten Kunden von ihrer PR-Agentur?
Die Kommunikation verändert sich ständig und jede Marke sucht eine individuelle Betreuung. Grundsätzlich erwarten Modemarken Public Relation in der Fachpresse und der Endverbraucherpresse. Hier unterscheiden wir zwischen Produkt-PR und platzieren die Labels in Fotoproduktionen und Legeseiten. Zusätzlich organisieren wir Events für Journalisten, Influencer und Blogger. Die Marken möchten ihre Kleidung gerne an Bloggern - und dann auf sozialen Netzwerken wie Instagram - sehen.
„Mode-PR“ ist ein absoluter Trendberuf – wie schaffen junge Menschen den Einstieg?
BH: Um in der PR Fuß zu fassen muss ein Einsteiger vor allem gut strukturiert und immer up-to-date sein, denn es ist eine Herausforderung viele verschiedene Projekte mehrerer Marken zu betreuen. Diese Arbeitsweise lernen viele im Studium. Und dann ist es eigentlich auch egal, welches Studium oder Ausbildung das ist. Ich achte bei Bewerbern vor allem auf ihre Social Skills. Wie sie sich im Team verhalten und ob es menschlich passt.
Als Gründerin bist du das Aushängeschild der Agentur. Abgesehen von den Kunden, die du vertrittst: Wer sind deine Lieblingsdesigner?
Meine absolute Lieblingsmarke ist Baum und Pferdgarten, die ich seit vielen Jahren verehre. Außerdem mag ich Stine Goya, No.21 und Philipp Lim.
Welche Projekte stehen in nächster Zeit bei dir an?
Ich bin ein sehr ehrgeiziger Mensch und habe schon kleinere Etappenziele erreicht, auf die ich sehr stolz bin. Mein nächstes Projekt: we love pr soll weiter wachsen. Im Jahr 2016 möchte ich gern ein zweites Büro in Hamburg eröffnen. Ansonsten wünsche ich mir, dass die Agentur inhaltlich weiterhin ganz vorne mit dabei ist und wir noch lange mit unseren Kunden zusammenarbeiten.
Vielen Dank für das Gespräch, Bea.
VON JANA ACKERMANN













